Krankenversicherungspflicht für Selbständige

Obligatorische Krankenversicherung für Selbständige

Für selbständige Vollzeitbeschäftigte gibt es keine obligatorische Krankenversicherung. Selbständige Ausländer sind auch in Deutschland krankenversicherungspflichtig. GKV Familienversicherung - Zahnprothesen-Härtefall - Kinderkrankengeld - Krankengeld für Selbständige. Dennoch behaupten viele Menschen, dass ein Selbständiger der obligatorischen Krankenversicherung unterliegt.

Pflichtversicherung für Selbständige: eine Millionen neue GKV-Mitglieder

Würden in Zukunft auch die für die Mitarbeiter bestehenden Krankenversicherungspflichten auf sie übergehen, würden die GKVs rund eine Millionen neue Versicherte hinzugewinnen. Wie sich dies für die Krankenversicherungen und die betreffenden Selbständigen finanziell auswirken würde, wird vor allem von der zukünftigen Struktur der Beitragsordnung abhängen. Würde die aktuell gültige Pflichtversicherung auf Selbständige ausgedehnt, würden rund eine Millionen der heute Privatversicherten zu Pflichtmitgliedern des SHI-Systems werden.

Das bedeutet, dass rund 70 Prozentpunkte der privat vermittelten Selbständigen die private Krankenversicherung verlassen haben. Die Gesamtzahl der Selbständigen in der Pflichtversicherung stieg von 57 auf 88% an. Nach den bisherigen Beitragsregelungen, vor allem der Mindestbeitragshöhe für Selbständige, würden diese neuen Mitgliedschaften den GKV zusätzliche Einnahmen von 1,8 Mrd. aufbringen. Dies liegt daran, dass der Leistungsaufwand der Krankenversicherungen für diese neuen Versicherungsnehmer niedriger ist als der zusätzliche Beitragsertrag.

Der Anstieg der Zahl der Krankenkassen würde jedoch zu Ungunsten der privaten Haushalten der Selbständigen gehen. Sie würden durch die Änderung mit 1,7 Mrd. EUR belasten, da die jetzt zu zahlenden Krankenkassenbeiträge in vielen Faellen hoeher sein wuerden als die bisherigen privaten Krankenkassenbeitraege. Die Mindestbeträge der Selbständigen zum GKV-System lagen 2014 je nach ihrem Gehalt in der Allgemeinen zwischen 321 EUR und 628 EUR.

Im Gegensatz dazu betrugen die Prämien der privaten Krankenversicherung für Selbständige im Durchschnitt 378 EUR pro Jahr. Ein Absinken oder gar Wegfall der derzeitigen Mindesteinlagen würde die Krankenversicherungen mit einer zusätzlichen Belastung von 200 oder 700 Mio. EUR ausstatten. Andererseits würden die privaten Haushalten der Selbständigen um 400 bzw. 800 Mio. EUR geschont. Die Beiträge zur Krankenversicherung wirken sich aktuell besonders deutlich auf die einkommensschwachen Selbständigen aus.

Die Einkommensschwächsten verbringen heute rund 40 Prozentpunkte ihres Verdienstes mit ihren Krankenversicherungsbeiträgen, egal ob sie Mitglieder der GKV oder der privaten Krankenkasse sind. Allerdings bezahlen die Selbständigen in der obersten Einkommensklasse weniger als ein Drittel ihres Verdienstes für die Gesundheit. Selbständige in der niedrigsten Einkommensklasse wohnen in privaten Haushalten mit einem Jahresdurchschnitt lichen Nettoverdienst von 45800 oder 51600 E. Dies gilt sowohl für rechtlich als auch für Privatversicherte.

So ist das Einkommen der Haushalte um ein Mehrfaches höher als das Einkommen aus der Selbständigkeit. Eine erweiterte Versicherungsverpflichtung für Selbständige hätte nach Ansicht der Untersuchungsautoren nicht nur Auswirkungen auf die Einkommens- und Kostensituation der GKV und ihrer (neuen) Mitglieder. Beispielsweise würde ein Schaden von 70 Prozentpunkten bei Privatversicherten den Umsatz der ärztlichen Leistungserbringer um geschätzte 1,9 Mrd. EUR pro Jahr spürbar reduzieren.

Dies könnte auch für die privaten Krankenkassen enorme Konsequenzen haben. Es sollte auch darüber nachgedacht werden, wie mit den geschätzten 27 Mrd. EUR an kumulierten Altersvorsorgeleistungen für das Umstellungspersonal zurechtkommt.

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